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Keine Zeit traurig zu sein oder wie uns der Alltag auffrisst.

Ich habe mir gerade den Dokumentarfilm "From Business to being" angeschaut. Im Zentrum des Films steht die Achtsamkeit im Kontext mit Leadership. Drei Führungskräfte berichten aus ihrem Alltag. Der Film zeigt auf, was passiert, wenn wir die Achtsamkeit ins Zentrum der Führung nehmen. Er zeigt auf, was Aussteiger erfahren haben. Kurz, es geht um den Alltag. Um das Funktionieren. Aufgerüttelt hat mich allerdings die Aussage eine Protagonisten im Film. Es ging darum, wie sehr in die momentane Arbeitssituation belastet. Ihn traurig stimmt. Er meinte jedoch dazu:

 

"Ich habe gar keine Zeit traurig zu sein.".

 

Wie schockierend. Gefühle haben im Berufsalltag (fast) keinen Platz mehr. Es geht oftmals um das Funktionieren. So weit, dass wir uns gar nicht mehr spüren. Nur noch funktionieren. Wahnsinn. Wir gehen davon aus, dass wir unbesiegbar sind. Das wir von unserem Körper und uns selber soviel abverlangen dürfen, ohne Folgen. Wir sind stark. Geld und Macht werden zu einem absolut wichtigen Wert. Es stärkt unsere Sicherheit und erlöscht in uns jeglichen Mut. Aussteigen ist nur etwas für Verlierer. Wir bauen uns ein Leben voller Abhängigkeiten auf, und sind bereit, diese Abhängigkeiten vor alles andere zu stellen. Partner und Kinder werden zurückgestellt, vertröstet und jedes Mail und jeder Anruf ist wichtiger als unsere Lieben und die Zeit mit ihnen. 

 

Haben wir dann mal etwas freie Zeit, dann wird in diese Zeit noch soviel hinein verplant, dass es wiederum nur in einem ausartet. Nämlich im Stress.

Wieso erlauben wir uns in der heutigen Zeit nicht - einfach mal absolut gar nichts zu tun. Kaum lassen wir uns auf dem Sofa nieder, meldet sich unser Gewissen. "Was denkst Du Dir dabei eigentlich, hier jetzt einfach nichts zu tun.". Was tun wir? Wir beginnen die Mails zu checken, zu surfen, Anrufe zu tätigen, SMS zu schreiben. Die Stunden und Minuten streichen vor sich hin und wir haben es wieder nicht geschafft NICHTS zu tun.

Wir funktionieren wie Roboter und verbieten uns jegliche Emotion. Emotionen sind nur was für Schwache. Es geht um das Funktionieren. So wie damals die "grauen Männer" bei Momo. Sind wir ehrlich, wir fanden sie alle ganz schrecklich. Doch heute funktionieren wir genau so. Solange, bis uns der Körper mittels Notbremse aufzeigt. STOP, jetzt ist Schluss, ich kann definitiv nicht mehr. Bei manchen von uns reicht nicht mal das. Wir übersteuern diese Zeichen und machen einfach weiter und riskieren unsere Gesundheit. Nur um unser Bankkonto noch mehr zu füllen, und noch mehr Statussymbole aufzubauen.

 

Doch ist es das wirklich wert?

 

Ich mache mir in letzter Zeit sehr oft Gedanken, gerade als Eltern, was wir unseren Kindern mit diesem Verhalten mit auf den Weg geben. Wie will ein Kind noch die Muse haben, sich auf dem Schulweg mal in aller Ruhe eine Blume anzusehen. Sich irgendwo hinzulegen und einfach mit den Wolken mit fliegen. Stattdessen wird schon von Klein auf darauf bestanden, dass nur wer gehorcht und funktioniert Erfolg haben wird. Doch was wird Erfolg in Zukunft sein? Wird ein erfolgreiches Studium und eine steile Karriere noch Erfolg bedeuten oder wird Erfolg sich ganz wo anders abspielen. Werden in Zukunft Erfolgsfaktoren auf emotionaler Ebene gemessen? Werden in Zukunft in Unternehmungen wieder mehr Menschen gesucht, welche kreativ sind und Selbstverantwortung übernehmen? Menschen die wissen, was ihr "absolutes bestes" ist.
Welche empathisch sind und sich ihrer Gefühle bewusst sind und diese auch zulassen. Menschen welche bereit sind, in der Gruppe etwas zu erreichen und nicht im Wettbewerb.

 

Um überhaupt in dieses Bewusstsein zu kommen, benötigen wir Achtsamkeit. Die Achtsamkeit wiederum erlaubt uns den Kontakt zu unseren Gefühlen. Und über die Gefühle verbinden wir uns mit unserem Herzen. Wir erkennen dadurch, wer wir wirklich sind und was wir sein wollen und können. Ich finde, das ist ein absolut reizvoller Gedanke. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Verbindung zu sich nur die haben, welche in allen Lebensbereichen authentisch sind. So spricht mir dieser Film soweit aus dem Herzen, dass es auch auf Führungsebenen und in Unternehmungen ein Umdenken benötigt, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Wir brauchen gerade im Leadership Menschen, die Verantwortung für sich übernehmen und achtsam und bewusst dies in ihre Führung einfliessen lassen. Emotionales Leadership wird an Bedeutung gewinnen. Dies werden jedoch nur die umsetzen, welche eine gesunde Beziehung zu sich selber haben. Es braucht eine Neuausrichtung von Werten und Glaubenssätzen. Privat und im Arbeitsumfeld. Überall.

Diese Erkenntnisse bestärken mich weiterhin in meiner Berufung, Menschen an ihr absolut Bestes heranzuführen. Jeder ist absolut einzigartig und es geht darum, diese Einzigartigkeit (wieder) zu entdecken. Menschen die sich dieser Einzigartigkeit bewusst sind, übernehmen automatisch die Selbstverantwortung für sich und ihr Leben. Es geht um Selbstbestimmung und nicht um geführt werden. Verantwortung bewusst zu übernehmen. 

Ich hoffe, dass ich Dich etwas aufgerüttelt habe. Ja, ich weiss, damit Du diesen Artikel lesen konntest, war eines dieser elektronischen Zeitfresser unabdingbar. Doch vielleicht hast Du jetzt die Chance, alles beiseite zu legen und die nächsten 10 bis 20 Minuten einfach mal gar nichts zu tun, als zu sein. Und zu hören, was Dir Dein Herz schon soooo lange sagen will.  

 

Oder wie Kabat Zin in diesem Film so treffend sagt:

 

"Es ist wichtig im Jetzt zu handeln, ansonsten verpassen wir das Leben."

 

Herzgruss und denk dran "das Beste ist in Dir".

Sandra Elsig

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